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Re: [Debate] ITU will IPv6 Adressraum



> die ITU will da seit geraumer Zeit mitspielen.
Gern, im IP aber bitte auf den bisherigen OSI Layern wie bisher...

Bisher konnte die ITU weder darstellen, wo und warum ihr Konzept eine 
Verbesserung der IST-Situation bietet, noch sehen die wenigsten LIRs oder User 
einen konkreten Bedarf für ein solches "paralleles" System.

> was natürlich Quatsch ist...
Wenn Du meinst...

Ich verstehe jedenfalls nicht, warum IPs nach oder von Staaten organisiert 
werden sollen bzw. worin der Vorteil für die Enduser bestehen soll. Staaten 
sind (abgesehen von einigen zweifelhaften Gebilden in manch Bananenstaat) weder 
Netzwerkbetreiber noch Kommunikationsanbieter.

Eine Vielzahl von Staaten ist von einer Liberalisierung bzw. Demonopolisierung 
der lokalen Telco-Branche immer noch weit weg - vor allem in der von der ITU im 
Vorschlag "addressierten" Dritten Welt agieren nicht selten korrupte, 
monopolisierte - von der Regierung direkt "begünstigte" Telcos. Die ITU hat 
diese Entwicklung bisher m.E. eher begünstigt als beseitigt, auch wenn sie ihre 
Arbeit zumindest nach technischen Gesichtspunkten (Standardisierung usw.) wohl 
recht ordentlich gemacht hat.

Zwar leben wir in Deutschland, aber selbst hier haben wir Politiker, die im 
Internet eher eine "Gefahr" als Instrument der Meinungsfreiheit sehen und 
hierauf gern mehr Einfluß - auf welchen Ebenen auch immer - gewonnen sehen 
würden.

(Ich erinnere mich noch an die staatlichen Verbote von Kryptographie, welche 
damals u.a. einen Südafrikaner reich gemacht haben. Meldepflicht für 
"Datenkommunikation" gab es ja auch mal...)

Eine z.B. staatlich kontrollierte Vergabepraxis von Adressraum oder schon eine 
geografische Zuordnung böte - auf verschiedensten neuen Ebenen - mehr 
"politischen Einfluß" auf diesen und weckt damit u.U. Begehrlichkeiten, die 
selten im Sinne der Endnutzer sein dürften. Der Staat vielleicht gar. als 
"Verwalter des Internets" - wozu?

> ... KMU ...
M.W. vergibt z.B. der RIPE Adressraum allein nach Bedarf. Eine Unterscheidung 
zwischen juristischer oder natürlicher Person erfolgt kaum - so jedenfalls 
meine Erfahrung. Es gibt auch eine ganze Reihe Teilnehmer ohne vollständige 
Anschrift - u.a. auch, weil eine solche (z.B. aus politischen oder 
soziokulturellen Gründen) weder vorhanden noch nachweisbar ist.

Mag sein das z.B. der RIPE "lediglich" ein gemeinnütziger Verein nach 
niederländischem Recht ist - immerhin aber wird er von denen getragen, die das 
Internet weltweit aufgebaut haben bzw. es "betreiben". Es stünde ebenso jedem 
frei, ein eigenes Netz / Protokoll aufzubauen - möglicherweise wird er dazu 
sogar seine Anwender finden.

> Begünstigung...
Eine Struktur aus zwei weitgehend verschiedenen bis gegensätzlichen Systemen 
halte ich prädestiniert für die Ausbildung neuer, proprietärer wie 
kommerzialisierter Produkte / Dienste.

Immerhin arbeitet der RIPE - so jedenfalls wohl die Meinung der meisten 
Mitglieder - weitestgehend transparent für die Öffentlichkeit, während die ITU 
m.E. "traditionell" gern Politik hinter den Türen machte. 

> Wettbewerb...
Halte auch ich für wichtig - ebenso allerdings auch Transparenz und 
Unabhängigkeit von politischen Befindlichkeiten einzelner Länder.

> ...Kosten...
Seit letztem/diesem Jahr hat der RIPE - gegen teils kräftigen Widerstand - 
Gebühren für PI Space eingeführt um vor allem möglichst alte PI-Leichen nach 
und nach ans Licht bringen zu können. Die Gebühren für LIRs werden jährlich neu 
nach alloziiertem Adressraum gestaffelt festgesetzt.

Mag sein, das die Gebühren für manchen - vor allem lokal monopolistischen - 
Adressraumnutzer "Peanuts" und aus der Sicht einiger daher zu niedrig sind.

RIPE & Co. - vor allem deren Policies - waren und sind sicher nicht immer ohne 
Kritik gewesen, dennoch wollen interessanterweise bisweilen nur die wenigsten 
RIR-Member oder Nutzer ein paralleles System paralleler Policies. Auch der RIPE 
musste gelegentlich "learning by doing" betreiben und ich halte es für 
fraglich, das die ITU die Historie besser gemeistert hätte.

Inwieweit die ITU übrigens den "Durchbruch" für IPv6 mit ihren neuen Policies 
bringen wird, bleibt dahingestellt. Eine transparente, konkrete Darlegung 
gegenüber den ISPs / IP Teilnehmern, die dies erläutern wie belegen könnte 
blieb bisher aus.

Btw:
Ich kann mich an einige Protokolle und Policies aus CS Netzen erinnern, die 
carrierübergreifend mit ähnlichen Problemen behaftet waren wie die, die die ITU 
mit ihren "Erfahrungen" heute im IP "abschaffen" zu wissen glaubt (Bsp. SS7 / 
BGP-Filter).

Mit der UN habe ich im Übrigen kein Problem (wollte ich nur gesagt haben)...

Cheers,


Niels.

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